Stuttgart Hash House Harriers ...hier geht's zu Pink Frits ...

 

 

 

Navigation
Home
Send a mail
Internal links
Wechselkurse
Hash House Harriers

Biker Entertainment
Comic

Bikerwitze
Biker jokes
Der Pfalzausflug
Tony the raceface

Motorcycle Matters

Fahrphysik
Neuigkeiten
Motorrad Jargon
Technische Daten
Chopper & Cruiser
Motorradgeschichte
Ausrüstung & Zubehör

Motorcycle Gallery
Pic of the day
BMW Montauk
Harley Fat Bob
Yamaha Raptor
Mehr Motorräder
Trips in Emirates
Trips in Germany
Trips Saudi Arabien
My favourite pictures
My motorcycle history
Meine Motorradgeschichte

Auto Matters
Meine Autos
My car history
Andere Autos

Travel Reports
Germany
Indonesia
Saudi Arabia
Arabische Emirate
Verschiedene Länder

Teacher
Lehrer
Einstein
Teachers
Lehrerwitze
Student jokes
Lehrersprüche

Noteworthy

Music
Comic
Hunde
Helden
Hühner
Chicken
Hashers
Rezepte
Schwaben
Interessant
About cigars
Sachsenwitze
Schwabenwitze
Jokes in English
Noch mehr Witze
Some time ago
Berühmte Zitate
Swabian German
 

 

 
Toni - the Race Face

... eine Geschichte von Wolf für Anton zum 60. Geburtstag.

 

Die Motorradfahrt.
Anfang April in Weitingen im Südwesten Deutschlands.


Der Himmel ist verhangen mit dunklen Regenwolken, die den Tag fast zur Nacht machen.
Vereinzelt schlurfen Menschen im Regenmantel vorbei, ein magerer Straßenköter jagt eine Katze, von der Autobahn hört man eine Lastwagenhupe.

Ein Tag wie jeder andere. Ein Tag wie jeder andere?

Nein, was ist das? Eine muskulöse Gestalt, von den Zehen bis zu den Zähnen in Leder, streunt in geduckter Haltung nervös mit den Zündschlüsseln klappernd um eins der begehrtesten Motorräder der Welt herum, raucht eine Kippe nach der anderen und läßt alle 10 Sekunden den Blick sorgenvoll gen Himmel schweifen

- “Toni the Race Face” is in the real condition.

In der Einfahrtschneise der Jahnstrasse 30 steht eine Honda Varadero bereit. Der Tank randvoll mit frisch gezapftem Benzin, dem Fahrwerk wurde mit der rechten Digitalhand gefühlvoll eine geheime Rennstreckenabstimmung verpaßt, die neu aufgezogenen Reifen riechen noch leicht nach Gummi.

... und das ist er: Toni - the Race Face.

 

Selten hat sich “Toni the Race Face” einen wärmenden Sonnenstrahl so sehnlichst herbeigewünscht, selten war es so schwer, Minute um Minute tatenlos verstreichen zu lassen.

Aber seine Geduld wird belohnt: der Himmel wird blau, die Sonne läßt die Wasserpfützen auf dem Asphalt dampfend verdunsten. Endlich!

Toni dreht den glühend heißen Zündschlüssel um und entlockt der Varadero den ersten ohrenbetäubenden Krawallsound. Einzelne Fensterscheiben platzen. Der Motor läuft warm. Die Muskeln spannen sich, der Blick wird cool.

Ein letzter Gedanke an die in vielen Nächten geheim geänderte Steuerung des Exup-Systems, das dem Motorrad noch einige zusätzliche Pferde einhauchen soll.

Die Honda Varadero tritt an. Start frei. Es gibt nur eine Richtung: Pole-Position. Das Spiel beginnt.

Bis Nagold werden die Reifen warm gefahren. Im zweiten Gang geht's übers Stoppschild rechts ab auf die Zielgerade nach Freudenstadt. Toni ist kein Stoppschildbremser, kein Weichei.

Jetzt durchbeschleunigen bis kurz in den Fünften, bevor am Bremspunkt Grosse Enz (Fußgänger) knapp 230 Sachen auf dem Tacho stehen. Jetzt heißt's aber Kopf hoch und ordentlich in die Eisen. Hoppla, da wird das Heck der Honda aber ganz schön leicht.

Die 10-Kolben-Nissin-Beißerchen packen brutal zu und verbeißen sich in die 330er Pizzateller im Vorderrad, zwei Finger leicht am Bremshebel reichen aus, um die Upside-down-Gabel heftig auf Tauchstation zu bringen. „Bißchen unterdämpfte Gabel“, denkt “Toni the Race Face”, „aber da kann ich mich jetzt nicht drum kümmern“.

Durch die Varadero-typische sportlich-entspannte Sitzposition fühlt er sich sicher und kann sich langsam an die Grenzen des Fahrwerks herantasten, um dann beim Herausbeschleunigen den gleichmäßigen Schub des Zweizylinders zu genießen.

Toni verschmilzt mit seinem Motorrad. Kraftvoll drückt sich die Varadero schon aus unteren Drehzahlbereichen nach vorn und setzt jeden Millimeter am Gasgriff fast digital in Schub um. Es geht brutal nach vorn, ab etwa 6500 Touren wird das Leistungskonzert dann noch mal intensiver und, hoppla, da wird das Vorderrad aber leicht.

“Toni the Race Face” verzichtet jetzt auf unnötige Wheelies, denn beim Aufsetzen neigt die Varadero zu deutlichem Kickback am Lenker. Aber er weiß: für solch kleine Wehwehchen könnte ein Lenkungsdämpfer die Lösung sein.

Freudenstadt wird trotz Radarfalle hinter dem Ortsschild mit 180 durchfahren. “Toni the Race Face” ist kein Ortsschildbremser und kein Radarfallenbremser, kein Weichei.

Er ärgert sich, daß die Ampelanlage in Freudenstadt durch einen Kreisverkehr ersetzt wurde, denn er ist kein Roteampelbremser.

Er könnte das beweisen, wenn eine Ampel da wäre.

Toni blinkt nicht. Nur Weicheier blinken. Er ist kein Kreisverkehrblinker.

Es geht Richtung Schramberg.

Toni drückt den Knopf für die geheime elektronische Während-der-Fahrt-Verstellung der Sitzbank um 10 cm nach hinten. Für die Eingewöhnung an die jetzt wesentlich windschnittigere Sitzposition müssen die paar Kilometer bis Schramberg reichen. Er hat keinen Blick für das große Schild mit der Geschwindigkeitswarnung, an dem ein Motorradfahrer klebt.

Der Zweizylinder drückt tierisch, aber die hervorragenden Reifen beruhigen Toni’s Nerven durch ein glasklares Feedback und einen wunderschön fühlbaren Grenzbereich.

Es ist enorm, wie die Honda Varadero aus den Ecken beschleunigt, ohne daß er dabei in irgendeiner Weise die Kontrolle verliert. Gut, die (geheim vorgenommene) Rennabstimmung und Änderung der Steuerung fordern ein deutliches Plus an Kondition, fahrerischem Können und Konzentration, aber dafür ist der Spaßfaktor durch das überwältigende Drehmoment, das der Zweizylinder schon im Drehzahlkeller ans Hinterrad schaufelt, einfach riesig.

Die Kombination von sattem Motorpunch und präzisem Fahrwerk vermittelt höchste Rennperformance. Diese hardware überzeugt. 220, 240 ... Blitz ... Radar .... Bulle ... Schei...!!!

“Toni the Race Face” nimmt sich eine Pause für einen kleinen Plausch mit dem Polizisten. “Hier sind 70 erlaubt, und Sie sind gerade 240 gefahren, Sportsfreund”, fängt der an rumzunölen.

„Wie soll ich denn bei dem Tempo so'n kleines Schild erkennen können?“ kontert Toni, „get your fucking voice out of my head!“

Der Polizist tut so, als ob das für ihn ein überzeugendes Argument wäre.

Da er aber eher zu den Manta-Mannis unter den Polizisten gehört und kein Englisch versteht, weiß er in Wirklichkeit nicht, was er in den Strafzettel schreiben soll, weil er das nicht schreiben kann. Diesen Fall kann er nicht lösen.

Schramberg ist erreicht, Bevölkerungs- und Verkehrsdichte nehmen zu. Durch die elektronisch nach hinten verstellte Sitzbank und der stark nach vorn gebeugten Haltung macht die langsame Fahrt im Stadtverkehr den Handgelenken ordentlich zu schaffen, denn erst ab ca. 120 bringt der Fahrtwind Entlastung.

“Toni the Race Face” denkt an 240, sieht aber plötzlich am „Pick’s Raus“ am Ende einer dick-schwarzen und 20 m langen Bremsspur eine alte 1000er BMW parken: rot mit selbstgebauten Stützrädern, eingebrannten Schräglagen-Warnschildern an der noch zischenden Krawalltüte und automatische Blinkerrückstellung – „Das muß doch “Short Leg Joe’s“ Mopped sein“, denkt “Toni the Race Face” und dreht mit der digitalen rechten Gashand voll auf.

Eine Oma auf dem Bürgersteig fällt vor Schreck in Ohnmacht, die Fensterscheiben vom „Pick’s Raus“ zerplatzen, das Einkaufen ist vorbei. Hinter dem schwarz verspiegelten Visier macht sich ein feistes Grinsen breit.

Plötzlich: da vorne promenieren zwei Tussis mit superscharfem Minirock. In die Eisen, Mann! Toni reagiert blitzschnell und geht voll in die Eisen (hartes Anbremsen kann der Varadero höchstens hin und wieder mal ein leichtes Zucken im Vorderbau entlocken).

Er klappt das schwarz verspiegelte Visier hoch.

Mit runtergeklapptem Visier könnte man seinen coolen Blick nicht sehen. Er fährt ganz, gaaaanz langsam vorbei, seine linke Hand liegt bei leicht auftippenden Fingern locker auf dem Oberschenkel. Diese Geste bedeutet (im Zusammenspiel mit dem zielgerichteten coolen Blick) soviel wie:

“Dich merk' ich mir, Mäuschen, aber ich hab' jetzt keine Zeit“.

Beide Tussis haben verstanden.

Die eine schmachtet “Toni the Race Face” bewundernd hinterher, die andere fängt an zu heulen.
Aber “Toni the Race Face” hat - wie gesagt - keine Zeit.

Ortsausgang Waldkirch: Er sticht in die Kurve, wobei ihn wieder einmal die absolute Zielgenauigkeit seiner Honda Varadero verblüfft. Schräglagenwechsel? Schikanen? Aber gerne! Herausbeschleunigen aus voller Kurvenfahrt? Mit Vergnügen!

Die rote BMW kommt ihm mit funkensprühenden Fußrasten und 35-Grad- Schräglage aus der nächsten Kurve entgegengekachelt, dahinter liegen 2 Autos kopfüber in der Wiese.

Die Fahrerhaltung entspricht ungefähr der eines in der nächsten Sekunde zum Sprung ansetzenden, hungrigen Pumas: „Short Leg Joe“ fährt ein bißchen spazieren. Ein lässiger Heizer - Gruß (ein Knie berührt den Asphalt) reicht - man kennt sich. So long, Baby, gib' Gummi!

“Toni the Race Face” nimmt den Schwung aus der letzten Kurve mit auf die nächste Gerade, wo ein paar andere Big-Bikes und ein Yoghurtbecher sich an seine Fersen heften, aber nicht an ihm vorbeikommen (bis auf eine).

“Was'n los, Ihr Stützradfahrer?“ denkt Toni, „habt wohl vergessen, Euren choke wieder reinzudrücken, wa? Har, har.” Und tatsächlich: weil sein (geheim abgestimmtes) Fahrwerk mit einem Kurvenquerbeschleunigungswert von 1,1 g beim Bremsen keine Zicken macht, liegt Toni noch geduckt hinter der Verkleidung, während seine Verfolger (bis auf einen) schon mit tänzelndem Hinterrad auf die nächste Kurve zusteuern.

Es bleibt niemandem (außer einem) erspart, in den mächtigen Auspufftopf seiner Varadero zu gucken. Aber Toni ist nicht zufrieden. Er will immer alles oder nichts. Er ist kein Weichei.

Wer zum Teufel war dieser Mistkerl, dieser eine, der sich mit der linken Hand eine Zigarette drehte, während er Toni mit demonstrativer Lässigkeit überholte und ihm das Gefühl gab, im dritten Gang zu fahren?

Ihm blieb keine Zeit zum gucken, denn alles ging viel zu schnell.

Der Ofen war nur Schwarz und Chromblitzend.

Toni denkt scharf nach: „Das kann nur eine BMW Cruiser gewesen sein! Die tauchen immer auf wie aus dem Nichts”.

Der Heimweg verläuft etwas gelassener, weil Toni die ersten Sofortmaßmahmen nach der Fahrt gedanklich durchspielt:

“Was spuckt das 2D Data-Recording aus?“ ... “Ich muß sofort zur Leistungsmessung auf den Dynojet-Prüfstand” ...

“Was war das da an der Grossen Enz? Ach ja, Gabel ist etwas unterdämpft” ... „Lenkungsdämpfer” ... Auch die nächsten Nächte in der geheimen Werkstatt werden gedanklich durchgeplant, und Toni setzt Prioritäten:

Alle Hochzeiten, Geburtstage und Beerdigungen müssen bis auf weiteres abgesagt werden ... nur ein Gedanke bohrt sich immer wieder wie ein weißglühender Eisenkeil durch sein Gehirn, und er weiß, daß es immer ein Geheimnis bleiben wird:

Wer war bloß dieser Kerl mit der BMW Cruiser?

“Toni the Race Face” fährt heim,

der am Horizont rotglühend untergehenden Sonne entgegen.

 

 

 

 

 

 
 

 home

up

 

This site is best viewed with Internet Explorer

Copyright © 2002 jaksche.net. Alle Rechte vorbehalten. Wolfgang Jaksche GbR